{"id":1166,"date":"2026-08-26T09:31:22","date_gmt":"2026-08-26T07:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/aufdemkotten.de\/webseite\/?p=1166"},"modified":"2026-08-26T09:31:22","modified_gmt":"2026-08-26T07:31:22","slug":"epilog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aufdemkotten.de\/webseite\/uncategorized\/epilog\/","title":{"rendered":"Epilog"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-ein paar zusammenfassende Gedanken zu einzelnen Aspekten der Reise-<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">80 Tage bis zum Nordkap war das Ziel f\u00fcr mein Fahrrad und mich. In 78 habe ich es geschafft. Dass ich schneller war, lag nicht an den gr\u00f6\u00dferen Tagesleistungen, sondern einzig und allein am Wetter. Durch den Regen habe ich eine Sonderrunde auf den Lofoten und eine Wanderung auf die \u201eSieben Schwestern\u201c bei Monhatten und die \u00dcbernachtung auf dem Campingplatz am Monhatten weggelassen und dadurch 2 Tage gewonnen.<br><br>Die k\u00f6rperliche Anstrengung ist nur in der ersten Zeit das Hauptthema der eigenen Gedanken. -Das stimmt so nicht.- Bis zum letzten Anstieg zum Nordkap habe ich es als Anstrengung empfunden. Es wird nur mit der Zeit leichter die Anstrengungen zu ertragen. Sie geh\u00f6ren zum Tagesablauf dazu.<br>Zu Beginn der Reise war es jeden Morgen eine kleine Willensanstrengung aus dem Zelt zu krabbeln, alles einzupacken und sich dann auf den Weg zu machen. Getoppt wird das, wenn es morgens beim Aufwachen bereits in Str\u00f6men regnet. Aber das \u00dcberwinden des Aufbruchs wird immer einfacher und zur Gewohnheit. Irgendwann wusste ich, dass und wie ich alles im Zelt einpacken kann und dass ich auch das Zelt abbauen kann, ohne dass das Innenzelt nass wird.<br>Der Regen hat einen gro\u00dfen Teil meiner Tour in Norwegen bestimmt. Aber auch das ist h\u00e4ndelbar, wenn man, wie ich, abends nach M\u00f6glichkeit einen Campingplatz ansteuert. Neben der M\u00f6glichkeit in irgendwelchen Aufenthaltsr\u00e4umen seine Sachen zu trocknen, gibt es auf den meisten Campingpl\u00e4tzen inzwischen Waschmaschinen und Trockner. Trotzdem nimmt das Trocknen von Str\u00fcmpfen, Hosen, T-shirts, Sweatshirts und Unterw\u00e4sche und teilweise auch des Zeltes einen Gro\u00dfteil der Ruhezeiten ein.<br>Das Gef\u00fchl, dass ich m\u00f6glicherweise die Tour nicht schaffe, k\u00f6rperlich nicht schaffe, hatte ich nur in den ersten Tagen in Norwegen. Man hat ja schlie\u00dflich den ganzen Tag nichts anderes vor, au\u00dfer an dem Ort anzukommen, den man sich vorgenommen hat. Und die Tage in Norwegen sind lang im Sommer und werden immer l\u00e4nger, je weiter man nach Norden kommt. N\u00f6rdlich des Polarkreises enden sie dann \u00fcber lange Zeit gar nicht mehr.<br><br>Alleine fahren ist eine gute Sache. Ich achte auf mich, auf meine Umgebung und habe Zeit Menschen zu beobachten, die mir entgegenkommen oder die mir auf dem Campingplatz begegnen. Au\u00dferdem merke ich sehr schnell, dass es keinen Grund gibt mich wortreich \u00fcber die Fahrt, das Wetter, den Berg, den Verkehr oder die Routenf\u00fchrung zu beklagen. Au\u00dfer mir selber, h\u00f6rt keiner zu.<br>Ich bin offen f\u00fcr neue Bekanntschaften und Gespr\u00e4chen mit mir fremden Menschen. Manchmal bin ich aber auch sehr alleine.<br><br>Da ist es doch toll, wenn ich mit ein oder zwei anderen zusammen fahre. Ich kann immer mit jemandem reden. Geteiltes Leid ist halbes Leid, kann ich mir einreden. Nat\u00fcrlich wird das eigene Leid keinen Deut weniger, aber ich kenne jedenfalls jemanden, der im gleichen Moment  das gleiche erleidet. Ob er das ebenso empfindet wie ich kann ich herausfinden, indem wir uns gegenseitig unser Leid klagen. Es stellt sich die Frage, ob das Leid dadurch gef\u00fchlt besser wird oder erst ein richtiges wird, weil wir uns beide dasselbe klagen.<br><br>Die Landschaft, das habe ich an den einzelnen Tagen schon fast zur Gen\u00fcge geschrieben, ist beeindruckend, berauschend, \u00fcberw\u00e4ltigend\u2026. Und es mag sein, dass ich da besonders empfindlich bin, aber die Sch\u00f6nheit der Landschaft und der Gedanke daran, dass wir gerade alles daf\u00fcr tun sie durch den von uns verursachten Klimawandel zu zerst\u00f6ren, treiben mir regelm\u00e4\u00dfig die Tr\u00e4nen in die Augen.<br><br>Verbl\u00fcffend, wie schnell ich Menschen, die ich treffe in Schubladen einordne. Verbl\u00fcffend auch, dass, wenn ich sie n\u00e4her kennenlerne, sie sich h\u00e4ufig als jemand ganz anderes herausstellen, der auf keinen Fall in der richtigen Schublade eingeordnet ist\/war. Ich habe so manchen sehr interessanten Menschen kennengelernt. Menschen, mit denen ich niemals zusammengekommen w\u00e4re, wenn ich die Reise nicht gemacht h\u00e4tte. Menschen, mit denen ich wahrscheinlich nie ein Wort gewechselt h\u00e4tte, wenn uns nicht das gemeinsame Ziel, mit dem Fahrrad zum Nordkap schon vor dem ersten Wort zu Verb\u00fcndeten gemacht h\u00e4tte. Nicht jeden Verb\u00fcndeten muss man lieb gewinnen, aber es ist eine gute Grundlage um Freundschaften aufzubauen. Und gemeinsame Erlebnisse schaffen gemeinsame Erinnerungen. Ein Fundament auf dem man ewig aufbauen kann.<br>Am Ende muss ich sagen, dass es mir leicht f\u00e4llt Kompromisse einzugehen, wenn ich im Gegenzug die Gesellschaft angenehmer Menschen daf\u00fcr bekomme. <br><br>Ich fahre mit dem Rad zum Nordkap. Eine Idee, die ich verbreitet habe und von der ich nicht ohne Gesichtsverlust wieder h\u00e4tte zur\u00fccktreten k\u00f6nnen. Ich bin froh, dass ich die Reise gemacht habe. Es ist ein Erlebnis, von dem ich zehren kann. Eine Erfahrung, die nach mehr (Meer) ruft. Im n\u00e4chsten Sommer will ich von Hamburg nach Brest, immer an der Nordsee entlang. Mal sehen, ob Ina mitf\u00e4hrt. Regelm\u00e4\u00dfig so lange Touren zu machen w\u00fcrde jedoch eine \u00c4nderung meiner Wohnverh\u00e4ltnisse und vor allem der Grundst\u00fccksgr\u00f6\u00dfe bedeuten. Ein oder zwei kleine Touren im Jahr tuen es aber auch.<br><br>Ein Reisetagebuch zu f\u00fchren hilft den Erinnerungen und hilft die Entwicklungen in sich selbst nachzuvollziehen. Ich sollte immer ein Tagebuch f\u00fchren.<br><br>Es f\u00e4llt mir schwer mich f\u00fcr das \u201enormale Leben\u201c wieder zu begeistern. Ich wusste nicht, dass ich gerne auch ein Reisender bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>-ein paar zusammenfassende Gedanken zu einzelnen Aspekten der Reise- 80 Tage bis zum Nordkap war das Ziel f\u00fcr mein Fahrrad und mich. In 78 habe ich es geschafft. Dass ich schneller war, lag nicht an den gr\u00f6\u00dferen Tagesleistungen, sondern einzig und allein am Wetter. 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