80 Tage zum Nordkapp

Tag 20 Åpta nach Austad (kurz vor Flekkeflord)

Åpta nach Austad

Ich sag nur Regen, Regen, Regen. Seit der Serpentinenstrecke nach Lyngdal fühlen sich meine Beine an wie Gummi. Morgens kann ich noch so viel Kraft einsetzen. Ich hab immer das Gefühl da kommt nix. Deshalb bin ich heute eigentlich ganz froh, dass die Fahrt so relativ kurz war. Obwohl es fast 1000 Höhenmeter waren. Außerdem hat es so gegen hallb elf angefangen zu regnen (nachdem es um halb neun aufgehört hat)immer so dünn weg. Und dann irgendwann so gegen zwölf hat es angefangen so richtig zu regnen. Ich hatte vorher nur die Weste an und ein T-Shirt darunter, weil das bisschen Regen Nix macht. Verdampft ohnehin wenn man so warm ist.Aber als es dann richtig anfing zu regnen und zwar so plötzlich, dass man gar nicht mehr schnell absteigen konnte und irgendwie noch was anziehen. Da habe ich gemerkt, wie der Regen ganz langsam durch den Rücken der Weste kam. Das T-Shirt, das vorher warm nass war, wurde kalt nass und es lief der Tropfen so ganz langsam den Rücken runter. Am Ende war es nicht nur ein Tropfen aber weiter als bis zum Gummibandrand der Merinounterhose ist das Wasser nicht gekommen. (Oder es war so warm, dass ich es nicht mehr gemerkt habe) Und das Ganze bergauf und bergab. Dieses bergauf fahren macht mich echt fertig. Ich hab inzwischen festgestellt, dass ich mich um Steigerung größer 10 % mit dem Gepäck und meinem Eigengewicht nicht kümmern muss. Ich steige einfach ab und schiebe sonst sterbe ich unterwegs oder das Fahrrad geht kaputt. Das schieben ist auch nicht unbedingt leichter. Aber es besteht wenigstens nicht die Gefahr, dass man stehen bleibt und umkippt und das nächste Auto über einen drüber fährt. Man kann dann immer ein paar 100 m schieben, dann einmal verschnaufen und dann wieder 100 m schieben. Je nach Steigung sind es manchmal auch nur 50 m. So ziehen sich zwei oder 3 km Steigung ziemlich lange hin. Manchmal lohnt es sich auch nicht für 50 m, die dann vielleicht nur 5, 6 oder 7 % Steigung haben wieder aufs Fahrrad aufzusteigen. Man schiebt einfach weiter. Es ist so eine Art Trott.
Trotzdem ist es tierisch anstrengend und ich frage mich unterwegs häufig warum ich mir das antue. Zu Hause sitzen dem Regen zugucken vielleicht mal rausgehen wenn es gerade nicht regnet dem Rasenmäher zusehen und einfach den Tag genießen. Stattdessen quäle ich mich diese Berge hoch. Übrigens seit drei Tagen ohne Gleitkreme und es funktioniert trotzdem.Es tut auch nicht mehr am Hintern weh als sonst. Also eigentlich unnötiger Ballast aber ich hab Angst, dass es doch mehr wird und deswegen hebe ich sie doch noch auf und fahr sie wieder jeden Berg hinauf.
Die Landschaft hier ist echt umwerfend. Es ist ein grün auf jedem Felsen. Der Felsen selber ist häufig grün, weil von Moos bedeckt und wenn die Sonne rauskommt, gibt es ein Licht, dass ist unfassbar. Trotzdem geht mir dieser Regen total auf den Senkel.
Der Campingplatz auf dem ich bin, ist nicht so sehr zu empfehlen. Irgendwie machen die alle gerade erst auf hier. Das Wetter ist ja auch eher bescheiden. Die Küche hat kein Wasser man hat ganz modern, wie Norweger nunmal sein wollen, natürlich einen Inductionsherd hingestellt. Finde ich immer gut, wenn ich nicht mein eigenes Gas benutzen muss. Leider ist mein Kochgeschirr aus Aluminium. Also doch wieder den Gasbrenner anwerfen und los.
Heute habe ich mit zwei Portionen Nudeln gegönnt. Eine mit Zwiebeln und Tomatensoße und eine einfach nur mit Ketchup. Auch weil der Ketchup weg muss, der ist schwer.
Fazit für heute: Ich war zwei Tage nacheinander völlig durchnässt. Die Knie tun weh. Die Oberschenkel haben Muskelkater. Mein Ichiasnerv nervt. Ich habe leichte Rückenschmerzen im Brustwirbel Bereich. Aber es ist ein total tolles Gefühl diese Strecke mal wieder geschafft zu haben. Gut, dass es Zwischenziele gibt, sonst wäre der Weg als Ziel eine Katastrophe. Ich hänge noch ein paar Bilder hinten dran. Obwohl bei dem Regen das Fotografieren nicht wirklich Spaß macht. Und man doch eher die nächste Steigung im Blick hat oder die rasante Abfahrt. Ich habe auch eine Abfahrt aufgenommen, aber die Filmchen mit der GoPro sind immer etwas riesig. Die muss man erst noch bearbeiten, bevor man sie ins Internet stellen kann. Da hier das WLAN nicht bis zur Zeltwiese reicht, werde ich heute darauf verzichten. Ich lege mich früh hin und kann hoffentlich lange schlafen.

Das Lachen wirkt etwas gekünstelt. Ist es auch! Da gab’s gerade nix zu lachen. Es hat geregnet und war saukalt.

Kommentare

3 Kommentare zu „Tag 20 Åpta nach Austad (kurz vor Flekkeflord)“

  1. Avatar von Jürgen Trauth
    Jürgen Trauth

    Durchhalten!!! Wie heißt es in einem Lied der Dire Straits? “
    There should be laughter after pain
    There should be sunshine after rain
    These things have always been the same
    So why worry now

    Wir sind ja heute im wesentlichen Deine gestrige Etappe gefahren. Bei dem Sauwetter hätte man auch die direkte Route von Lyngdal nehmen und auf die Grusabschnitte verzichten können. Wir schieben übrigens bei den steilen Stellen ebenfalls. Besonders auf nicht geteerten Wegen.
    Gute Fahrt

    1. Avatar von Engelbert

      Hallo Jürgen, wann seid ihr in Stavanger?

  2. Avatar von Barbara
    Barbara

    In Italien und Österreich regnet es auch . Kletter- Freunde von mir kommen heute aus Kärnten zurück weil es sind nur 15° und Dauerregen. Vielleicht hilft das ja

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