











7:50 Uhr fährt der Bus. Es saßen schon 3 Personen außer dem Fahrer drin. Der Bus hält noch an mehreren Stationen. Japaner oder Chinesen, stiegen ein mit dicken Koffern. Man weiß nicht, ob sie die mit auf den Preikestolen (Predigerstuhl)schleppen wollen oder ob sie irgendwo noch ein Hotel gebucht haben. Einer dieser Mitreisenden hat einen Mundgeruch, über den ich nicht weiter reden will. Er sitzt direkt hinter mir. Ich lehne mich unauffällig etwas weiter nach vorne. Die Fahrt dauert 1 Stunde. An der Endstation, der Toilettenanlage des Base Camps, angekommen, Laufen 30 von 35 Fahrgästen auf die Toilette. Die Toilette hat aber nur 15 Plätze. Es bilden sich Schlangen. Massentourismus. Nachdem ich auf der Toilette war, begebe ich mich auf den Wanderweg. Es geht steil Bergauf (ca 17 %) zunächst auf einem Schotterweg später auf großen Steinen, die eher aussehen wie Geröll einer Endmoräne. Doch wenn man genauer hinzieht, sieht man, dass jeder Stein einzeln gelegt wurde. Ich glaube, man hat extra Sherpas aus dem Himalaya geholt um diesen Weg zu bauen. Teilweise wurden die Steine anscheinend vorort gespalten. Es geht ziemlich schnell bergauf und mein Puls geht auch bergauf und nach ungefähr anderthalb Kilometern hat man endlich die Überschrift für einen neuen Western vor sich. „ Leichen pflasterten seinen Weg“. Die ersten, die mit Macht diesen Berg erstürmen wollten, liegen an der Seite und atmen schwer. Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben, langsam zu gehen und mich Stufe für Stufe dem Gipfel zu nähern. Wirklich eine ganz herausragende Landschaft mit kleinen Hochmooren, die von den weiß blühenden Wollgräsern bestanden sind. Insgesamt ist die Landschaft, wenn man etwas weiter oben ankommt, aber karg und felsig. Das Grün der Bäume ist hier noch nicht hellgrün, sondern hat noch das Dunkelgrün des Winters. Es scheint, als würden sie oben auf dem Berg noch deutlich später ausschlagen als ohnehin schon im Süden Norwegens. Die vielen Menschen, die den Weg hoch und runter laufen, beleben jedoch das Bild. Unwillkürlich fällt mir, auch wenn es zur Jahreszeit natürlich gar nicht passt, der Osterspaziergang aus dem Faust ein.
„ Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sich mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt´s im Revier,
sie {die Natur}nimmt geputzte Menschen dafür.“
Hier tragen sie NorthFace und Fjelreven, Patagonia und Vaude und Jack Wolfskin, Ortovox und Schöffel und… In der neuesten Mode: farbenfroh. Endlich oben angekommen. Es ist wie erwartet. Außer mir sind geschätzt noch 50, 60 vielleicht auch 70 andere Menschen oben. Ich unterhalte mich mit zugereisten Schwaben aus Jülich. Wir beobachten von etwas unterhalb das Treiben auf der Plattform. Dort stehen sie die Jugendlichen einer nach dem andern bereit für das beste Foto auf TikTok. Etwas weiter entfernt sitzen die Freunde und Freundinnen schießen die Fotos. Wir quatschen ein bisschen links ein bisschen rechts, beleuchten die wirtschaftliche Lage, stellen fest wie gut es uns geht und wie schwierig es vielleicht für unsere Kinder wird. Wir freuen uns so über die herrlich strahlende Sonne an diesem Sonntagmorgen. Schließlich gehe ich auch noch auf die Plattform. Lass mich fotografieren und nicht tiktokmäßig und nicht ganz vorne auf der Spitze aber so, dass ich es in WhatsApp in den Status stellen kann. Ich setze mich auf einen kleinen Steinhubbel und esse ein Brötchen und den Käse, den ich mitgebracht habe. Trinke etwas Wasser und mache mich auf den Rückweg. Der Rückweg ist ungefähr so wie der Abstieg vom Großglockner. Nur dauert er etwas über eine Stunde und nicht 5 Stunden. Es geht über diese dicken Steine, die wie Geröll eines Gletschers aussehen, hinab. Ein Fehltritt und man stürzt einige Meter hinab. Dabei drängeln manche Jugendliche von hinten. Manche können es kaum erwarten, nach unten zu kommen. So wie sie vorher nach oben gestürmt sind, so rasen sie jetzt den Berg runter. Haben die alle auch Urlaub? Wenn man unten ankommt, sieht man als erstes das Schild Icecreame Bar. Es gibt Eiscreme am Base Camp. Eine große Anzahl Menschen stürmen in dieses Haus. Ich kaufe eine Postkarte und schicke sie natürlich an die Abteilung Gewässer beim Niersverband. Dann esse ich noch ein Eis und ein Stückchen Kuchen, trinke zwei Tassen Kaffee und habe noch 1 Stunde Zeit, bis der Bus kommt. Als der Bus kommt, öffnet sich die Tür und wer steigt aus?: Jürgen und Manuela. Wir tauschen schnell die Telefonnummern aus, denn ich möchte mit dem Bus zurückfahren, und verabreden uns für vielleicht heute Abend. Sie wollen auch morgen mit der Fähre ein Stückchen weiter nach Norden fahren. Im Bus schlafe ich nahezu sofort ein. Meine Knie tun weh, aber nicht vom Fahrradfahren, sodern vom hochklettern und wahrscheinlich kann ich morgen keine Treppe runtergehen, weil die Oberschenkel Muskelkater vom bergablaufen haben. Die Busfahrerin setzt mich als einzigen an meiner Bushaltestelle ab und ich sortiere meine Zeltsachen neu, lade mein Handy auf und werde gleich noch einige Telefonanrufe erledigen. Es war ein super schöner Tag.Wenn man da oben auf dem Preikestolen steht, kann man verstehen warum so viele Menschen da hoch laufen. Als ich oben ankam, fiel mir eigentlich nur ein: „ Norwegens Landschaft hat immer noch irgendwas obendrauf zu setzen“ Und ja, es war eine gute Entscheidung heute bei Sonne hoch zu gehen, denn jetzt, nachmittags um kurz vor fünf zieht sich der Himmel dunkel zu und ich fürchte es wird kein trockner Abend werden.

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