80 Tage zum Nordkapp

Tag 37 Åheim nach Ålesund, Samstag, 20. Juni 2026

Man könnte die Bilder oben vielleicht als Morgenstimmung bezeichnen. Natürlich nicht so wie die Morgenstimmung aus dem Peere Gynt.
Ich habe mich auf sehr wenige Fotos beschränkt, denn am Rest des Tages hat es wie aus Eimern gegossen. Alle Fotos, die ich gemacht hätte, wären nur Begründungen dafür gewesen, warum Norweger am Sonntag (der Tag an dem man hier nicht arbeitet) keine Alkohol kaufen können. Bei so einem Wetter kann man sich nur die Kante geben oder… Fahrradfahren.
Manchmal hatte ich aber auch Glück. Zum Beispiel beim Warten auf die Fähre. Die kam pünktlich mit mir am Anleger an und ich konnte Ruckzuck die 3 km auf die die nächste Insel hinter mich bringen. Die Fahrt danach war äußerst anstrengend, weil sie auch noch über Berge ging und es war total nervig viel Autoverkehr. Überwiegend viel befahrene Bundesstraße mit teilweise rücksichtslosen Autofahrern. In Hareid angekommen, habe ich auf die Schnell Fähre nach Ålesund gewartet (75 km im Regen und 1300 Höhenmeter haben mir gereicht) und dafür meine Jacke ausgezogen. Die Fährterminals sind meistens wohl beheizt.Dabei habe ich festgestellt, dass ich, bis auf einen winzigen Fleck am rechten Ellenbogen, komplett durchnässt war. Das T-Shirt, das man auf dem Foto sieht, ist eigentlich hellgrau nicht dunkelgrau. Ich bin aber ziemlich sicher, dass das Wasser nicht von außen gekommen ist, zumindest nicht an diesen Stellen, sondern dass es von innen kommt und nur nicht nach außen kommen konnte. Meine Theorie ist ja, dass man beim Fahrradfahren fett verbrennt. Und wenn Fett im Körper verbrannt wird beziehungsweise abgebaut wird, dann entsteht daraus Kohlenstoff und Wasser und das Wasser muss irgendwie raus. Da ich zumindest während der Fahrt fast nie eine Toilette aufsuchen muss, vermute ich mal, dass das Wasser einfach durch die Haut diffundiert.😉

Das rechte Foto haben Manuela und Jürgen gemacht, die mich nicht nur warmherzig, sondern auch mit einer warmen Dusche in ihrem Apartment empfangen haben. Ich habe alle meine Sachen trocknen können und eine Nacht auf ihrem Sofa verbracht, nachdem wir uns gemeinsam das große Feuer in Ålesund angesehen haben.
Das war ja der eigentliche Grund für meine Reise nach Ålesund und für meine Aufholjagd bis zum 20. Juni.
Das Feuer war ein großes Spektakel. Wir mussten mit dem Bus hinfahren und dann noch eine ganze Strecke zu Fuß laufen, um dorthin zu kommen. Wir sind ohne zu wissen, wo es eigentlich war, immer der Masse nachgelaufen. Es stellte sich heraus, dass die eigentliche Gaudi das Anzünden des Feuers war. Hunderte von Schiffen lagen außen im Wasser und beobachten mit hunderten Schaulustigen an Land das Ereignis. Aber die eigentliche Show hat das Sonnenlicht gemacht. Dazu einige Fotos im Anschluss. Nach dem Anzünden dauert es eine kleine Ewigkeiten, bis dieser Turm wirklich anfängt zu brennen. Wir sind dann doch irgendwann gegangen, weil es einfach ungemütlich war und Manuela und Jürgen am nächsten Tag früh raus mussten. Sie wollen mit einem Schiff in den Geirangerfjord fahren und dann von Geirangerfjord aus ein paar Höhenmeter erklimmen.-Viel Spaß Euch-.
Im Nachhinein war das Wiedersehen mit Manuela und Jürgen eigentlich der bessere Teil des Abends. Der Palettenturm war zwar spektakulär, aber das Wiedersehen mit Manuela und Jürgen und unsere gemeinsame Fahrt zum Feuer und zurüch waren fast spannender.
Auffällig war, dass bei Temperaturen unter 12° die norwegischen Jugendlichen häufig mit sehr sehr wenig Bekleidung auftauchten. Hatte schon so ein bisschen was von Mittsommerstimmung. Nur dass die Temperaturen gnadenlos unter normalen Sommertemperaturen lagen. Wie schon gesagt, die Tageshöchsttemperaturen lagen bei 12° und wegen des Windes gefühlten 10°.
So ganz nebenbei hab ich festgestellt, dass ich auf den letzten 2000 km bisher ungefähr 8 kg Fett hinter mir gelassen habe. Sollte mir also jemand folgen, aufpassen, dass er nicht ausrutscht.(Wenn meine Theorie stimmt, sind da ja auch nur Pfützen).
Nach einer wilden Fahr auf zwei E-Scootern (gestoppt durch die norwegische Polizei, weil wir eigentlich drei gebraucht hätten) haben wir zum Abschluss bei Manuela und Jürgen noch einen kleinen Schluck Rotwein getrunken und weiter Döneckes erzählt. Die Nacht war dann kurz. Das ist aber nicht so schlimm, weil ich am Sonntag in einer Hütte auf dem Campingplatz schlafen werde. Und anschließend auch noch hier in Ålesund (man spricht es übrigens Oleßünd, wobei das o so wie in dem bereits früher ausgeführten moin der Norddeutschen gesprochen wird) 2 Tage Pause mache. Wahrscheinlich werde ich auf dieser Tour Manuela und Jürgen nicht mehr wieder sehen. (Eine kleine Chance besteht noch in Trondheim, bevor sie dann nach Osten abbiegen um über die Berge zurückzufahren. Deshalb habe ich noch mal kurz ein Abschiedsfoto gemacht (Foto ist von Sonntag)und an dieser Stelle noch mal danke für alle Ermunterungen und alle kleinen und großen Wohltaten, die ich von Euch beiden erfahren habe.

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