Leider gab es keinen morgendlichen Abschied von Nina, denn sie hat noch geschlafen, vermute ich, als ich los bin. Und da sie erst noch nach St Peter Ording will, werde ich wohl früher in Skagen sein. Natürlich hatte es nachts geregnet, das Zelt war nass und alle sagen seit Tagen: Das Wetter wird jetzt besser.
Leichter Regen, schöne Wege, Baustelle, Plattfuß, der Regen wird stärker: Schlauchwechsel! Was habe ich gelernt?! Gleich das ganze Gepäck runter, dann muss man das Rad nicht so oft aufheben, um am Ende dann doch alles abzunehmen. Meine Akkupumpe im Taschenvormat war super und hat die 3,8 bar ohne zu murren in 2 Minuten draufgeschafft (typisch chinesisch). Als alles wieder zusammengebaut und aufgesattelt war, hörte es auf zu regnen.
Ich fahre ja im Wesentlichen nach Norden. Der Wind blies aus Süd Süd West, Das Rad rollte mit 25, 26 oder gar 27 km/ Stunde dahin (ein gefährliches Geschoss bei unverhofften Begegnungen). Außerdem haben die Radwege hier böse Buckel und Schlaglöcher. Es scheint, als haben man Resteverwertung betrieben. Alle 50 m setzt wieder neuer Asphalt an. Und die Übergänge sind Rinnen oder Buckel-je nachdem. Hinter mir tief dunkle Wolken, vielleicht komme ich ja vorher in Husum an. Komisches Klickern am Hinterrad. Noch während ich anhalte, um nachzusehen, blockiert das Hinterrad. Eine Speiche ist gebrochen, das lose Ende hat sich in der Hinterradbremse verklemmt.
Es war niemand in der Nähe aber ich habe sehr laut geflucht. Sch… Schlaglöcher und zu viel Gewicht. Noch während ich das denke holt mich die Gewitterwolke ein und schüttet, während ich mein Regenzeug anziehe, das Hinterrad kurz rausnehme, um die Bremse freizubekommen, nachdem ich das Gepäck hinten abgeschnallt habe, eimerweise Wasser aus.
Ich fixiere also das lose Ende der Speiche mit -was auch sonst- Kabelbinder und nehme mir vor ganz langsam nach Husum zu schwimmen. Irgendwann hört es auf zu regnen, ich überquere die Eider, komme nach Husum bei Georg C. Hansen & Co.KG-Rad läuft jemand im Werkstattbereich mit Headset an mit vorbei ruft mir ein geschäftiges Moin (dazu schreibe ich morgen mal etwas) entgegen und ich denke: oh-je. Doch dann kommt ein freundlich interessierter junger Mitarbeiter, hört sich mein Problem an, sieht das Gepäck: „…auf der Durchreise?“ Ich frag mal eben.-Wenn es nur die Speiche ist, können Sie absatteln. Machen wir eben zwischendurch.“
In der Zwischenzeit gehe ich in den Baumarkt, den ich vorher gesehen hatte um -man braucht sie ja anscheinend noch häufiger, als ich gedacht habe- einen neuen Vorrat an Kabelbindern zu erstehen.
Es stellt sich heraus, in diesem Laden gibt es Alles: Blumen, Baumarktartikel, Konserven, Porzelan, Kleinmöbel, Stehrümmchen, Süßigkeiten….. Ich decke mich mit einer Tüte Schokoriegel ein. Die entlasten zwar mein Fahrrad nicht, tun aber meinem Gemüt gut.
28,50€ und es geht zum Campingplatz. Überraschender Weise nicht so teuer, wie Google es profezeit hat, dafür kurz vom A… der Welt. Also sozusagen die Steigerung von Husum. Ich stehe allein auf einer großen Wiese. Nebenan noch ungefähr 15 Wohnmobile. Ich kann das Zelt ohne Regen aufbauen, alles trocknet schnell im Wind. Wind, so richtig, ich zurre alles fest. Morgen ist tourfrei. Es wird kalt. Ich krieche in meinen Schlafsack…


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