97km bis Vejers Strand. Ich nehme es gleich vorweg: Kein Speichenbruch und kein Plattfuß und zum ersten Mal das Zelt trocken ab- und aufgebaut. Dafür kommt man dann erst nach 9 Uhr los. In Esbjerk habe ich 3 neue Schläuche gekauft. Die alten entsorge ich hier heute. Alles nur Ballast.
Ich fahre den EuroVelo 12 oder den Nationalen Radweg 1 in Dänemark. Beide heißen hier Nordseeküstenradweg.








Morgen 92km gegen den Wind. Dafür kann ich, wenn das mit den feurigen Zungen klappt, morgen Abend Dänisch und Norwegisch. Mal sehen. Für gestern füge ich noch die Wochenübersicht ein.
Der Weg bestand heute auf 5 km aus losem Schotter. Ich glaube die Dänen schmeißen da irgendwie ein Gemisch drauf mit einem hohen Nullkornanteil, der sich im Laufe der Jahre zu einer betonharten Oberfläche festfährt. Die 5 km waren neu angelegt. Mit einem voll beladenen Rad sind die Strecken eine echte Herausforderung.
Zum Glück hatte ich meistens Rückenwind und einen guten Wegebelag. Wer das fliegende Schwein noch im Kopf hat, dem biete ich jetzt ein neues Bild an. Beim Radfahren kommen einem ja so manche Gedanken. Wenn man Minuten lang so dahinfliegt…Theodor Fontane:
Die Schwalbe fliegt über den Erisee,
Gischt schäumt um den Bug, wie Flocken von Schnee.
Von Detroid fliegt sie nach Buffalo
– die Herzen aber sind frei und froh…….
Ok, das mit dem Herzen stimmt. Die einzige Gischt sind die Schweißtropfen, die von meiner Stirn laufen, die Nordsee ist hinterm Deich und die Richtung stimmt auch nicht, Mein Zwischenziel heißt Esbjerk. So ein bisschen kommt man von seinem Geschwindigkeitswahn runter, wenn einem Rennradfahrer gegen den Wind entgegenkommen, die fast genauso schnell fahren. Ich hoffe, sie bekommen nicht allzuviel von meiner Gischt mit.
Die Schwalbe fängt übrigens Feuer, alle überleben außer dem Steuermann, John Maynard, halt aus Hallo, noch 10 Minuten bis Buffalo. Er stibt als Held des Gedichtes. Herman van Veen: „Zeugen sind selten Helden, Helden bezeugen selten“ – Trotzdem nicht immer wegducken! Tja, wenn man so auf dem Fahrrad sitzt, kann man viel Blödsinn hin- und herdenken. Es halten einen eigentlich nur vier Dinge davon ab seine Gedanken freien Lauf zu lassen: Die Landschaft um eine herum ist atemberaubend; Die Steigung, mit der man kämpft, raubt einem den Atem; Es gibt einen Defekt am Rad; natürlich: eine schöne Frau (aber ich mache während der Fahrt keine Videokonferenzen mit Ina 😘)
Bis Esbjerk hinterm Deich. Man kann nur nach vorne oder ins Land sehen. Die Ortsschilder in Dänemark sind weiß und zeigen den Schattenriss einer Ortschaft mit ein paar Häusern. Genauso sah die Echte Ortschaft von weitem aus. In Nordfriesland sind das Warften (Höfe oder Siedlungen auf künstlich aufgeschütteten Hügeln). Hier stehen die wahrscheinlich auf Endmoränenhaufen. (Einmal mit dem Spaten ausholen, schon ein Findling.)
In Esbjerk hat mich ein Gewitter erwischt. Ich habe es schon kommen sehen, war aber zu faul anzuhalten und die Regenklamotten anzuziehen (kein Regenschirm dabei) Plötzlich geht es los mit mit dicken Tropfen prasselt es zu Boden. Meine Rettung: ein dänisches Bushäuschen. Fahrrad abstellen, etwas trinken, Müsliriegel, Wetterradar, abwarten, aufpassen, dass man nicht auf der Bank einpennt.
Letzte Tropfen und los. Ich glaube es waren noch 30 km zum Ziel. Es wird warm, als hätte es nicht gerade geschüttet wie aus Eimern. Die Straßen sind in wenigen Minuten wieder trocken. Der Wind bläst warm wie vorher, nur mein Ziel liegt in Westlicher Richtung. Sozusagen um mir den schönen Tag ins Gedächtnis einzubrennen, geht es die letzten 7 km über eine gerade Landstraße, auf der hunderte Deutsche an der Dänischen Küste einfallen und die Windkrafträder zeigen mir ihr Hinterleil, während sie zur anderen Seite lächelnd sich immer schnelle drehen.
Endlich angekommen Jahrmartstimmung. Der Platz liegt mitten in den Dünen. Auf dem Platz und auch am Strand überwiegend ausgelassene angetrunkene und überwiegend Deutsche. Der Platz ist mit 37€ eine mittlere Unverschämtheit. Aber mein Zelt steht gut. Sucht es auf dem 7. Foto(oben)…

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